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WEM ES NÜTZT.

Genetisch ist das stärkere Prinzip das Weibliche; das andere Chromosom namens Y gilt als schwach, notwendig, aber nicht überlegen. Daher musste nach der Niederkunft die soziale Frage gestellt werden, wenn Männer herrschen wollten. Auch als religiöse. HERRSCHAFT ist ein Konstrukt.

Gestern war der kirchliche Feiertag „Maria Lichtmess“. Wer nachliest, woher diese Tradition kommt, lernt, was der Lateiner mit CUI BONO meint. Das ist die Frage danach, wem eine Angelegenheit den größten Nutzen bringt. So fragen jene Skeptiker, die die Nebelgespienste des Abergläubischen, jedweder Religion, zerreißen wollen. Gottesstaaten gilt es zu misstrauen.

Also, vor zwei oder drei Jahrtausenden gehörte das erste männliche Kind eines Paares, der ERSTGEBORENE, angeblich Gott und musste von seinen Eltern zu Lichtmess im Tempel „dargestellt“ und ausgelöst werden. Da Gott schlecht das INKASSO selbst machen konnte, standen seine HOHEN PRIESTER hierzu bereit. Tiefe Taschen. Man konnte die Summe bar leisten oder durch Naturalien, ein Schaf und eine Taube etwa. Zugunsten der Popen.

Wer wohl auf die Idee gekommen ist? Es soll ja sogar ein regelrechtes Bankwesen im Tempel gegeben haben. Jesus schmeißt sie später raus, die Geldwechsler. Man spricht dabei von TEMPELREINIGUNG. Ein Sprachbild des „Reinen“, das noch eine ganz andere Tradition hatte. Die Gebärenden galten bei der Geburt eines männlichen Erstgeborene 40 Tage als „unrein“, bei einem Mädchen 80 Tage. Erstaunlich. Eine mythische Geburtenregelung. Kennen das andere Religionen auch?
Und wir fragen: Wem nützt das?

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LOGBUCH 02.02.22-09.01h

YOU CAN CALL ME YOU.

Das Duzen gilt im Hochdeutschen als Vertraulichkeitsgeste. Menschen von Stand und Rang siezen sich. Es gab einen französischen Präsidenten, der seine Gattin sogar im Bett siezte: ein Zeichen des Respekts. Das Gegenteil also von "Gib mir Tiernamen, Schatz!"

In den Plaudergemeinschaften des Internets, Social Media genannt, ist das Duzen schon immer Usus. Das schwabbte von Amerika herüber, einer Gesellschaft ohne Manieren, jedenfalls ohne Etikette, in der schon immer ein INFORMALITÄTSGEBOT galt; bei der Turnschuhgeneration aus dem Silicon Valley umso mehr. Namen waren Vornamen, Vornamen wurden dann auch noch abgekürzt bis sie einsilbig waren. Aus jedem Richard wurde ein Dick (pun intended).

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe mich schon immer mit meinen Mitarbeitern geduzt, wenn sie es zugelassen haben. Bei unseren Kollegen im Ausland war es eh üblich. Ich erinnere mich noch gut, wie mir ein Major Shareholder und Ministerpräsident das Du anbot; was wir dann beigehalten haben, als er Kanzler wurde; meine Sekretärin sagte damals: "Wir können uns schlecht im Büro siezen, wenn wir den Kanzler duzen." Wie wahr. Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter von fast zweihundert über die Jahre haben das Du verweigert. Ich erinnere mich gut an Ort und Zeit (Muss ich mehr sagen? Der männliche Kollege hat es überlebt.).

Immer wenn es RESPEKTVERWEIGERUNG ist, stößt mir die unfreiwillige Vertraulichkeit unangenehm auf. Die BAHN etwa duzt mich, verweigert aber notorisch die Leistungen, für die ich bereits bezahlt habe. Zudem hat sie sich einen GHETTO-JARGON angeeignet, die bereits bei den Berliner Verkehrsbetreiben Kult war. Ich empfinde das als übergriffig. Wenn nun auch die Flugbegleiter:innen auf das GENDERN verzichten und die Passagiere auch in der BUSINESS mit "guys" (amerikanisch für "Leute") anreden, werde ich sie wieder SAFTSCHUBSE nennen. Das ist auch übergriffig. Aber wer hat angefangen?

Nach dem Duzen und den abgekürzten Vornamen werden die NICKNAMES kommen, die Kosenamen. Damit würde dann die INTIMITÄT des Kosens zu kleiner, vor allem aber öffentlicher Münze. Ich erinnere mich an die Kommentare in Berlin als ruchbar wurde, dass der damalige bayrische Ministerpräsident Edmund S. angeblich seine Gattin im Innenverhältnis "Muschi" nenne, auch vor Dritten. Ich bin da anders erzogen. Ich habe meine Eltern geduzt, aber rede natürlich nicht von "Anneliese" oder gar "Mama" in der Öffentlichkeit, sondern von meiner Frau Mutter. Das wäre nämlich ihr Wunsch.

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LINDERUNG.

Wenn man ein Übel nicht gänzlich vermeiden kann, so hat man seinen Schaden zu lindern. Das MILDERE MITTEL ist ein sehr kluges Konzept grundsätzlicher Bedeutung.

Am liebsten hat es der WUTBÜRGER radikal: ein Übel mit Stumpf und Stiel ausrotten, an der Wurzel packen. Radikal kommt von „radix“, der Wurzel. Große Gesten sind dann hoch in Konjunktur. Was das Eisen nicht heilt, das heilt das Feuer. Und wenn dabei die ganze Welt untergeht. Das sind kleinbürgerliche Gewaltfantasien. Der Mut der Feigen.

Kluge Juristen kennen das Verfassungsinstitut des MILDEREN MITTELS. Wenn ich schon ein Recht einschränken muss, dann milde, mit großer Verhältnismäßigkeit. Ich greife nur so weit ein, wie dies unvermeidbar notwendig ist. Klingt wie Weichei, ist aber klug. Auch eine medizinische Logik: Zumindest nicht schaden. NOLI NOCERE, sagt da der Lateiner. Das ist das Mindeste in der Medizinethik.

Jetzt zum Punkt: Die Seuche, die uns nunmehr zwei Jahre gefangen hält, ist nicht zu beseitigen. Man kann das Virus, lernen wir, wohl nicht vollständig und für alle Zeiten töten. Immun werden, das heißt mit dem Virus leben, trotz seiner. So ist ein ernstzunehmendes Ziel der Epidemiologischen Medizin: LINDERUNG. Der Engländer nennt es „mitigation“; mehr können die Weißkittel vielleicht gar nicht, wenn sie ehrlich sind, während die Herde sich insgesamt durchseucht. Was für eine Sprache!

Was wissenschaftlich stimmt, muss nicht politisch klug sein. Soviel Wahrheit, zu viel davon, verträgt man schlecht. Ohnehin greift schon Wahnsinn um sich. Aber so ist es: Die Spritze schützt nicht sicher vor Infektion; wir hoffen, dass sie mildere Verläufe bringt. Das wäre schon was. Denn das gänzlich Unmilde ist ein hässlicher Tod. Man erstickt, wird mir berichtet.

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HOBBY.

Schon das Wort klingt betulich, ein Steckenpferd haben, dem englischen „hobby horse“ entlehnt, einem Kinderspielzeug. Man sieht vor seinem inneren Auge den Briefmarkensammler. Oder den Hobby-Gärtner, der im Hinterhof Möhren zieht. Noch schlimmer der Hobby-Koch, der sich etwas darauf einbildet, ein Ei auch poschieren zu können, und Freunde zu deren Leidwesen bekocht.

Ich sollte es erklären. Briefmarken waren kleine klebefähige Bildchen von Postillionen, um die einiger Kult getrieben wurde, obwohl es nur Quittungen für die Entrichtung von Transportkosten waren. Früher kam täglich ein Briefträger und übergab Prints an die auf Umschlägen verzeichneten Empfänger. Er zahlte übrigens auch Renten aus und zog die Gebühren für den ÖRR cash ein. Ich habe mein Studium als Post-Zusteller in den Semesterferien finanziert; man ging trotz Bafög Lohnarbeit nach. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Man ordnet das Hobby der Freizeit zu, die eine Einteilung ist, die die Fabrikglocke geschaffen hat, nämlich als Nische zwischen dem Diktat des Arbeitgebers und der notwendigen Nachtruhe. Man ging einem Spiel nach, entweder im sportlichen Sinne oder einem kulturellen wie der Musik oder der Frauen vorbehaltenen Handarbeit. Dem Hobby hing immer etwas Skurriles an; der Mensch durfte dabei halt Mensch sein; dabei neigt er zu Merkwürdigkeiten.

Womit wir bei den Bärtigen aus Trier sind. Karl Marx hat der Vorstellung der ENTFREMDUNG einige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Fabrikarbeit war entfremdet, das künstlerische Spiel nicht. Der Gedanke ist eigentlich von Friedrich Schiller, der im Unterschied zu Goethe Marxist war. Der Mensch sei Mensch nur, wo er spielt. Ich hatte nie ein Hobby, dazu fehlte mir immer die Zeit.

Wie viele Manager habe ich gearbeitet, wozu ich Lust hatte; dabei unter einem selbstgewählten Konkurrenzdruck, so dass für Muße eigentlich keine Luft war. Es gab in den Aktiengesellschaften aber auch andere. Ich hatte Vorstandskollegen mit Flugschein und eigenem Doppeldecker oder einem Golfhandicap, das nur erwirbt, wer ganztags auf dem Green lebt. Ich kannte einen Controller, der jeden Montag mit der Werksfliege nach Spanien flog, golfte und ab Mittwoch dann wieder im Büro war. Von den Ex-Pats und ihren Hobbys am Ende der Welt gar nicht zu reden.

Kommen wir zur Studienberatung: Machen Sie, junger Mann, was sie dann sehr gut können. Für junge Frauen gilt das doppelt. Und machen Sie es bis zur Erschöpfung. Nur Deppen reden von der „work-life-balance“. Nur Verlierer haben ein Hobby.