Logbuch
NETT SIND DIE DOOFEN.
Bei Portraits wollen viele nett aussehen. Sie lächeln. Das ist ein Fehler. Man muss schlau wirken, nicht nett. Für Politiker gilt das besonders. WILLE ZUR MACHT, das soll rüberkommen. Nett sind immer die Doofen, weil sie ja keine andere Chance haben.
Ich lese von einem Experiment mit kluger Methode. Man hat unvoreingenommen Menschen Politikerportraits gezeigt und sie gefragt, wer von diesen Gesichtern wohl die Wahl gewonnen hat. Keinen klaren Befund gab es bei den als nett empfundenen Antlitzen. Die Betrachter lagen 50 zu 50 richtig, also in einer Zufallsverteilung.
Wenn man aber nach der vermuteten Kompetenz fragt und dann noch den Siegern, ist die Quote signifikant: 70 Prozent liegen richtig. Die kompetent wirkenden Kandidaten haben deutlich öfter gewonnen als die nett wirkenden.
Unser Bauchgefühl reagiert auf MACHTANSPRUCH. Das Lächeln, das ist uns zu trügerisch. Sich aber dem Klügeren unterzuordnen, das haben wir schon im Rudel gelernt.
Für die Zweifler: Science, Vol 308, No 5728, 10.06.2005.
Logbuch
EIGENLOB STINKT.
Früher galt es in der PR als peinlich, Eigenlob auszusprechen. Das hat sich offenbar geändert. Es gibt ganze Medien des Narzissmus. Noch immer peinlich.
Niemals hätte ich als PR-Chef eines Unternehmens öffentlich erklärt, dass mein Vorstandsvorsitzender ein toller Boss ist. Erstens eine alberne Selbstbewahrheitung. Zweitens eine protokollarische Zumutung. Was sonst hätte man denn sagen können? Als MIETMAUL.
Nie hätte ich als Presse-Chef eines Konzerns einen Journalisten öffentlich gelobt, der über mein Haus geschrieben hat. Weil er über meinen Laden geschrieben hat. Vielleicht, in sehr seltenen Fällen, getadelt, aber nie gelobt. Zum Freuen ging man in den Keller.
Nie hätte ich behauptet, der Schlauere zu sein. Ich bin mit der Aussage, schlicht keine Ahnung von Autos zu haben, blendend in der Auto-Industrie zurechtgekommen. Gebogenes Blech interessierte mich eigentlich nicht. So macht man andere (!) berühmt. Das ist der Gegenstand von PR: verdeckt FREMDLOB zu BEWIRKEN.
Never ever hätten wir, die Spin Doktoren, öffentlich über Kommunikation im Sinne Strategischer Kalküls gesprochen und unsere PARTNER AUF DER ANDEREN SEITE, sprich die Pressevertreter, zu kleiner Münze gemacht. Ihnen einen Nuttenorden umgehängt. Ein guter Journalist ist der Gegner der PR-Leute, nicht deren billiges Liebchen.
Das alles hat LINKED-IN verändert und das Vordringen von ambitionierten Journalisten in die PR, ein Geschlecht der Übergelaufenen, denen die Eitelkeit nun aus allen Knopflöchern quillt. Selbst gekaufte (!) Presse präsentieren sie stolz in den Sozialen Medien, und zwar mit deutlichem Eigenlob. Paaah.
Standesehre der PR? Der Journalist ist nie mein Feind, aber immer mein Gegner. Ich achte, dass er publizistisch eine gegenläufige Rolle zu spielen hat. Das ist ein KONSTITUIVER RESPEKT. Diese vordergründigen Lobhudeleien sind allenfalls Werbung, niemals PR.
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DAS KANN WEG.
In der Stadt Berlin bauten diverse Regime sich ihr SCHLOSS, seit dem 15. Jahrhundert. Thema STADTSCHLOSS. Die DDR zeigte, wie man damit umgeht. Sprengen. Vorbildlich!
Thema THEME-PARK. Ich finde ja, dass der Europa-Park in Rust im Kleinen so ist wie Berlin im Großen , nur wesentlich besser geführt. Die vergnügungswillige Familie Mack in Rust kann, woran Rot-Rot-Grün in Berlin notorisch scheitert. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Am Ende einer endlosen Baustelle, UdL genannt, da steht der aktuelle Höhepunkt dieser „Prachtstraße“ Unter den Linden, das neue STADTSCHLOSS. Ein Mehrzweckhalle unsäglicher Architektur, in der als Ausstellung lungert, was andernorts wegmusste. Beutekunst zum Beispiel, die nun als sein angebliches Forum den Namen HUMBOLDTS entehrt.
Die Fürsten der Hohenzollern hatten hier auf der Spree-Insel über Jahrhunderte in unterschiedlichen Ruinen geprotzt, von Friedrich dem Eisenzahn bis Wilhelm II, dem Einarmigen. Exzesse im Barockstil. Walter Ulbricht hat das nach dem Krieg gesprengt und den potthässlichen, aber absolut typischen PALAST DER REPUBLIK an diesen Ort gestellt. Diesen wiederum haben die Wessis nach der Wende wegesprengt. Angeblich wg. Asbest, was ich für eine Lüge halte. Das war SIEGERLOGIK.
Nun also MERKELS DISNEYLAND. Obwohl noch unter Kanzler Schröder geplant, gilt das Monstrum als repräsentatives Symbol des MERKELSCHEN MATRIACHATS. In der Genialität eines überdimensionierten Parkhauses mit barocken Applikationen steht das 800 Millionen teure Unding für die Geschichtsvergessenheit dieses letzten Regimes.
Möge künftigen Generationen nicht der Sprengstoff ausgehen.
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HOBBY.
Schon das Wort klingt betulich, ein Steckenpferd haben, dem englischen „hobby horse“ entlehnt, einem Kinderspielzeug. Man sieht vor seinem inneren Auge den Briefmarkensammler. Oder den Hobby-Gärtner, der im Hinterhof Möhren zieht. Noch schlimmer der Hobby-Koch, der sich etwas darauf einbildet, ein Ei auch poschieren zu können, und Freunde zu deren Leidwesen bekocht.
Ich sollte es erklären. Briefmarken waren kleine klebefähige Bildchen von Postillionen, um die einiger Kult getrieben wurde, obwohl es nur Quittungen für die Entrichtung von Transportkosten waren. Früher kam täglich ein Briefträger und übergab Prints an die auf Umschlägen verzeichneten Empfänger. Er zahlte übrigens auch Renten aus und zog die Gebühren für den ÖRR cash ein. Ich habe mein Studium als Post-Zusteller in den Semesterferien finanziert; man ging trotz Bafög Lohnarbeit nach. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Man ordnet das Hobby der Freizeit zu, die eine Einteilung ist, die die Fabrikglocke geschaffen hat, nämlich als Nische zwischen dem Diktat des Arbeitgebers und der notwendigen Nachtruhe. Man ging einem Spiel nach, entweder im sportlichen Sinne oder einem kulturellen wie der Musik oder der Frauen vorbehaltenen Handarbeit. Dem Hobby hing immer etwas Skurriles an; der Mensch durfte dabei halt Mensch sein; dabei neigt er zu Merkwürdigkeiten.
Womit wir bei den Bärtigen aus Trier sind. Karl Marx hat der Vorstellung der ENTFREMDUNG einige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Fabrikarbeit war entfremdet, das künstlerische Spiel nicht. Der Gedanke ist eigentlich von Friedrich Schiller, der im Unterschied zu Goethe Marxist war. Der Mensch sei Mensch nur, wo er spielt. Ich hatte nie ein Hobby, dazu fehlte mir immer die Zeit.
Wie viele Manager habe ich gearbeitet, wozu ich Lust hatte; dabei unter einem selbstgewählten Konkurrenzdruck, so dass für Muße eigentlich keine Luft war. Es gab in den Aktiengesellschaften aber auch andere. Ich hatte Vorstandskollegen mit Flugschein und eigenem Doppeldecker oder einem Golfhandicap, das nur erwirbt, wer ganztags auf dem Green lebt. Ich kannte einen Controller, der jeden Montag mit der Werksfliege nach Spanien flog, golfte und ab Mittwoch dann wieder im Büro war. Von den Ex-Pats und ihren Hobbys am Ende der Welt gar nicht zu reden.
Kommen wir zur Studienberatung: Machen Sie, junger Mann, was sie dann sehr gut können. Für junge Frauen gilt das doppelt. Und machen Sie es bis zur Erschöpfung. Nur Deppen reden von der „work-life-balance“. Nur Verlierer haben ein Hobby.