Logbuch

TINTENKLECKSER.

Der Tintenfisch hat neun oder elf Gehirne, je nachdem, ob es sich um einen Acht- oder Zehnfüssler handelt; jeder seiner Fangarme ein eigenes separates und natürlich das Haupthirn, dem die zentralen Steuerung unterliegt. Er erkennt menschliche Beobachter wieder, nutzt Werkzeug und kann sich komplizierte Problemlösungen über Monate merken. Er ist in einem ganz symbolischen Sinne ein intelligenter Kopffüßer.

Dabei nicht mal ein Wirbeltier, wie etwa der Fisch, an dessen Evolution irgendwann mal der Affe und dann der Mensch steht. Das schmackhafte Weichtier ist deutlich vorher abgebogen und bevölkert nun als weicher Fleischfresser die Weltmeere. Es gilt der Wissenschaft als interessantes Studienobjekt; und macht auch dem Laien Freude. Stichwort „Multitasking“. Wenn ich ebenfalls für jeden meiner Gliedmaßen ein eigenes Gehirn hätte, was könnte ich alles anstellen? Das wären ja vier bis fünf Extremitäten und noch der zentrale Verstand; sechs Gehirne, alter Schwede.

Zudem kann die PR lernen, wie man Angriffe von Journalisten erfolgreich abwehrt, mittels Tinte. Der raffinierte Tintenfisch stößt bei Angriff eine Wolke aus seinem Tintensack aus und erst unmittelbar danach gibt er sich einen gewaltigen Schub, die Wolke dort hinterlassend, wo jetzt der Raubfisch zuschnappt. Damit verwirbelt er die Tinte erst recht und steht so durch eigene Idiotie vollständig eingenebelt, aber mit leerem Maul, während der Kopffüßer ins Freie gleitet. Solches hörte ich gern von meinem Vers.

Logbuch

AVANTI DILETTANTI.

Obwohl unmusikalisch, genieße ich ein Abonnement der Berliner Philharmoniker; gestern ein großartiger Abend mit und für Daniel Barenboim. Frenetischer Beifall, Bravo-Rufe und tiefes Mitgefühl für den 82jährigen Dirigierten, dessen Gesundheit von einer Parkinsonerkrankung sichtbar angegriffen ist. Es wird Schuberts Unvollendete gegeben und Beethovens Siebte. Es gilt für den Abend und Barenboim, was Schubert über Beethoven sagte: „Wer vermag danach noch etwas zu machen?“ Man kann sich nur verneigen.

Ich bin mit der Kategorie des Genies sparsam; bei einem so fleißigen Menschen wie Barenboim fürchte ich zudem, sie könnte als Abwertung eines Lebenswerkes gelesen werden. Das ist mehr als nur Genie. Der Mann übt seit seiner Kindheit. Das darf man nicht herabsetzen, indem man Fortune bescheinigt. Eine einmalige Begabung und ein ganzes Leben steten Übens. Ein Lebens-Werk. Man kann sich nur verneigen.

Ganz anders das Foyer. Hier wird heute geliebdienert; aber gemach. Ich lobe am Ort schon immer die Schnittchen; dazu zwei, drei Glas Wein über den Abend verteilt. Leider wird diesmal der gewohnte Tisch verweigert; ein geschäftiger Herr hat seinen Mantel über die Tischplatte gelegt und brummt ein „Besetzt!“ bei der Annäherung. Selbst für Berliner Verhältnisse ist das schroff. Dann purzelt von rechts der ehemalige Bahnchef Lutz ins Bild; Rollkragenpullover und Jeans. Alta. Von links der ehemalige Verkehrsminister Wissing, ehemals FDP. Darum brezzelt sich die Entourage. Wo ist Frau Nikutta, die gefallsüchtige Cargo-Chefin der Bahn, fragt mich die Blonde. Man wird auf LinkedIn nachsehen müssen, wollte man es wirklich wissen. Aber eigentlich gibt es keine Chance, nicht zu wissen, wo sie war. Die Berliner Dilettanz hat Karten und zeigt sich.

Darf ich meine Hochachtung vor dem EINEN mit der Verachtung für das ANDERE begründen? Nein, das sind zu unterschiedliche Welten. Denn das nach dem Management der Deutschen Bahn jemand auch nur im Ansatz von Exzellenz zu sprechen wagte, das ist nun wirklich ausgeschlossen. Oder auch nur von Fleiß. Die Dinge stoßen sich hart im Raum.

Logbuch

HERRENAUSSTATTUNG.

Nie mache ich zur Kleidung von Frauen in der Politik Bemerkungen; auch nicht zu dem Perlhuhn der Neuen Rechten. Gilt als frauenfeindlich. Aber auch der Herr von Welt bedarf der Ausstattung. Das ist ein echter Beruf, der des Herrenausstatters. Siehe Schröder und sein Brioni. Oder Markus Söder und das Jankerl. Aber VORSICHT. Dünnes Eis. Man will wegen solcher Bemerkungen ja nicht als Nazi gelten.

Der Jörg Pilawa aus Poppenbüttel ist seit gestern mit den höchsten Persönlichkeiten des Staates auf repräsentativen Fotos zu sehen. Er steht an der Seite der Zweiten Frau im Staate, der Bundestagspräsidentin, weil er, so vermute ich, ihr neuer „walker“ ist, die privat verbundene Begleitperson der gelernten Weinkönigin.

Ich bemühe mich hier um eine vorsichtige Wortwahl, da die Maßstäbe für den Einsatz der Justiz gegen unerwünschte Meinungen in meinem Vaterland deutlich verschoben sind; man darf die Staatsorgane nicht mehr lächerlich machen. Man wäre dann Nazi. Ich will mich daran halten; enthalte mich also eines Kommentars zu den mitgebrachten Ehefrauen beim Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Warum bei diesen Staatsorganen am 03. Oktober die Gattinnen obligatorisch sind, wäre ohnehin eine ordnungspolitisch interessante Debatte: „Muss man dann mal mit Mutti?“

Jedenfalls kann man, ohne Nazi zu sein, sagen, dass diese Herrschaften mit Ehegattin aufgeschlagen sind und die weinselige Julia mit ihrem jüngsten Hospus. Der frisch gekürte Partner Pilawa aus Poppenbüttel kam im Schwarzhemd. Als ehemaliger Junggeselle kann ich den Vorteil des „black collar“ aus eigener Erfahrung loben; man muss nicht so oft Waschen, Hals wie Hemd. Da der Herr Pilawa aus Poppenbüttel aber einige Semester Geschichte studiert hat, darf ich etwas zu seinem Outfit ergänzen. Man trägt für diese Republik keine Schwarzhemden. Auch nicht als Inhaber eines Herrenausstatters aus Poppenbüttel.

Mussolini hat das Schwarzhemd eingeführt für seine faschistischen Schlägertruppen. Hitler hat so die SS gekleidet. Das war die Uniform des Terrors. Schwarzhemd war ein fester Begriff. Selbst die englischen Faschisten priesen das „black shirt“. Das geht zu Staatsakten dieser Republik als deren Repräsentant gar nicht. Warum weiß das der parfümierte Prolet aus Poppenbüttel nicht? Ich passe.

 

Logbuch

VERKEHRSWENDE.

Wir haben eine Sonderkonjunktur bei Gebrauchtwagen, die einfach irre ist. Es geht alles. Zu jedem Preis. Was willst du machen, wenn Schiene und Flug vollversagen? Rikscha fahren? Ein Sittengemälde.

Schon immer hat unsere Autokonjunktur beflügelt, dass wir einen regelrechten Sog nach Mittel- und Osteuropa hatten. Das Angebot an Gebrauchten wurde geradezu abgesaugt, so dass der Bedarf nach Neufahrzeugen groß blieb. Das galt für sehr alte Karren, aber auch für Unfallfahrzeuge und zuletzt für hierzulande verschmähte Diesel. Keine Alternative. Radfahren ist ein Hobby der Mittelklasse in Metropolen.

Wer den Verkehr auf den Autobahnen aufmerksam beobachtet, sieht die Transporter aus Polen oder Litauen jetzt auch schon holländische und belgische Schüsseln mit Blechschäden gen Osten karren. Wie die dort wieder hergestellt werden, das möchte ich gar nicht wissen. Da wird sicher viel gedengelt, was konstruktiv nicht mehr geht, also statt auf die Straße eigentlich in die Schrottpresse müsste. Wie die verzogenen Karosserien aufgehübscht über den TÜV kommen, kann man sich vorstellen, wenn es so was wie einen TÜV dort überhaupt gibt.

Eine andere Frage sind hier geächtete Motoren, Verbrenner wie Verdichter. Je mehr Tesla-Deppen im Westen Batterieautos fahren (Laufleistung max. 100 Tkm), desto beliebter werden Verdichter (immer 300 oder 400 Tkm) im Osten. Aber ich wollte nicht politisieren. Ich lese nur in der TIMES, dass in England immer mehr Gebrauchtwagen in den Markt kommen, die die Versicherer zuvor als TOTALSCHÄDEN schrottreif geschrieben hatten. Unfallfrei, der letzte Schrei… Ohne dass ihre Vorgeschichte dem Käufer klar war. Die so agierenden Plattformen sagen, sie hätten die Schüsseln aber ganz genau durchgecheckt. Zum Schrott noch den Spott. Böser Betrug.

Das Ende des Autos? Quatsch, enges Angebot, hoher Bedarf: alles geht. So viel zum Stand der Verkehrswende.