Logbuch

Trump ist ein AFFE IM ANZUG. Das Konzept der WEISSEN ÜBERLEGENHEIT kann nicht kulturell gemeint sein. Ich kenn mich da aus, weil seine Vorfahren aus meiner Nachbarschaft kommen. Nein, nicht die Pfalz, aus der seine Familie nach Amerika ausgewandert ist. Ich habe lange in der Nähe von Düsseldorf gelebt, im Kreis Mettmann. Da gibt es an dem Flüsschen Düssel im Neandertal einen Steinbruch, in dem etwas Bedeutendes entdeckt wurde: Trumps Vorfahren. Ich war da oft, schon als Schüler. Aber der Reihe nach. Der NEANDERTALER hat in vielen Dingen einen schlechten Ruf, zu Unrecht. Er gilt nur als Nebenlinie des HOMO SAPIENS, die ausgestorben ist. Ich halte das für falsch. Also erstmal haben die Jungs mindestens 100.000 Jahre auf der Erde verbracht. Zweitens kann man aus anderen Funden rückschließen, dass sie ein ausgeprägtes Sozialleben hatten. Das waren keine Höhlenmenschen, wenn damit dumme Tiere gemeint sein sollten. Sie waren für sehr lange Zeit die überlegene Rasse. Woher dann der schlechte Ruf? Warum ausgestorben? Nicht weise genug, Stichwort „sapiens“, zu Deutsch klug & weise? Hat sie eine Klimakatastrophe ausgelöscht? Nein, Greta, Unsinn. Oder eine Pandemie? Nein, Herr Lauterbach, Unsinn. Es gibt einen Fund, ich glaube in Kanada, eines menschlichen Wesens, dessen DNA zeigt, dass der Vater ein HOMO SAPIENS war und die Mutter eine Neandertalerin. Wenn man jetzt bedenkt, dass sie mindestens 50.000 Jahre Zeit hatten, fremd zu gehen... Ha! Die Wissenschaft weiß, dass wir noch immer die Gene der Neandertaler in uns tragen; manche sagen zu drei Prozent, andere zu zwanzig Prozent. So, und jetzt löse ich das Geheimnis mit Trump und dem Mob vom Kapitol: Es können auch mehr sein!

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Was man da jetzt aus den USA sieht, das zeigt die Stärke von PROPAGANDA. Sie wirkt über die Sozialen Medien des Internet, nicht mehr über die Presse. CNN zappelt hilflos, die alten Gatekeeper haben es nicht mehr im Griff. Die über TWITTER empörten MASSEN lernen von ihrem Führer, dass man ihnen etwas gestohlen hat, einen erdrutschartigen Wahlsieg ihres Führers; man hat ihnen DAMIT den Staat gestohlen. Volksaufstand. Wir sind das Volk. Putsch! Der Souverän wurde betrogen. Wer war das? Die Antwort muss plausibel sein. Dafür muss man nicht wissen müssen, was ein Repräsentantenhaus ist, wissen, wer da im Capitol haust. Ich sehe über CNN vom Capitol auf der Windschutzscheibe eines Autos ein Schild, das sich auf die Fraktionsvorsitzende der Demokraten bezieht, eine alte Dame, deren Familie aus den Abruzzen zugewandert ist, eine Figur des Establishments mit liberaler Prägung, eine Katholiken im Land der Evangelikalen, eine Studierte und eine Frau... Sie heißt Nancy Pelosi. Und dort steht, Achtung, jetzt kommt das NARRATIV: PELOSI IS SATAN. Das soll alles sagen. Mehr braucht es nicht. So geht Propaganda. Ich krame nach einem Buch von EDWARD BERNAYS, für das ich mal ein Vorwort geschrieben habe. Der Titel lautet: Propaganda - Die Kunst der Public Relations. Stammt aus den 1920er Jahren. Stand im Bücherregal von Joseph Goebbels. Keine unpassenden historischen Vergleiche, na gut, aber Anlass zur Nachdenklichkeit.

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Wie kommen die Gebeine der HEILIGEN DREI KÖNIGE in den Kölner Dom? Ich weiß das, weil ich es in einem Buch gelesen hab. Nein, sie sind nicht mehr in Mailand, das ist ein Mythos. Wie kann man sicher aber sein, dass die Knochenreste, die da in Köln verehrt werden, auch authentisch sind? Nun, man muss sich ein wenig historisch interessieren. Dann weiß man, wer zu Zeiten von KÖNIG BARBAROSSA genau dafür gesorgt hat. Dass sie authentisch aussehen, die Reliquien. Baudolino war’s. Das geht ja nicht von selbst; das will schon sorgfältig inszeniert sein. Schließlich werden die MAGIERE als HEILIGE verehrt, die astronomisch erkannt haben, wer da in der Krippe lag. Hier kommt der Piemonteser BAUDOLINO ins Spiel. Ich habe das Buch leider verlegt, werde mir aber gleich über Amazon eine neue Ausgabe besorgen. Amazon ist ja viel weniger als 15 km weit weg und immer auf! Die Rede ist von dem bedeutendsten Roman des berühmten UMBERTO ECO. Nein, nicht diese Schnulze IM NAMEN DER ROSE. Das Buch der Bücher hört auf den Titel BAUDOLINO. Ich würde sagen, dass Baudolino zu den vier oder fünf Büchern gehört, die mich wirklich geprägt haben. Die Lektüre macht Mörderspaß und man ist auch nach mehrmaligem Lesen mit diesem Monster des Wissens nicht fertig. Leider nicht von BARBARA KLEINER übersetzt, der besten Übersetzerin aus dem Italienischen, die ich kenne. Als ich 17 war, war ich von ihr „unsterblich“ fasziniert. Da hieß sie noch Bärbel; aber das ist, wie Kipling sagen würde, eine andere Geschichte.

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RADIKALE PURITANER

Was uns amerikanisch scheint, das kann die Freiheitserklärung von 1776 sein, also sehr fortschrittliches Denken. Oder ein reaktionärer

Paternalismus christlicher Prägung, der dort schon 1620 an Land ging. Oder Katholisches von Iren und viele andere kulturelle Einflüsse aus den Migrationsmilieus. Wer gewinnt die Oberhand?

Ein großes Land. Mein amerikanischer Freund sagt zur Besiedelung seines Vaterlandes im heutigen Massachusetts durch englische Extremisten: "Im Jahre 1620 landeten die Pilgrim Fathers auf dem Plymouth Rock. Es wäre besser gewesen, der Plymouth Rock wäre auf den Pilgrim Fathers gelandet." Das ist schwarzer Humor, der der Erläuterung bedarf.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildete sich in England eine Sektenbewegung, die sich selbst "Heilige" (saints) nannte (die Bezeichnung als Pilger erfolgte erst später und gehört zum historischen Kitsch der US-Geschichte) und einen radikalen Protestantismus verfolgten. Geistesgeschichtlich sprechen wir von CALVINISMUS oder PURITANISMUS. Dabei kommen zwei Komponenten zusammen, die bis heute nachwirken. Man war separatistisch und erkannte keine Autorität an, keinen Papst, keinen Bischof. Und man vertrat die Laien-Exegese der Bibel; das Buch galt als Gottes Wort, und zwar ohne weiteres verständlich für den naiven Leser. Man begründete die eigene Bigotterie mit Bibelzitaten, vornehmlich des Alten Testaments, jedwede Verdrehung war dabei recht. Bis heute.

Eigensinnig fanatische Frömmler mit einem Widerwille gegen externe Herrschaft, auch die des Staates oder auch nur der Vernunft. Schon ihre Glaubensbrüder waren ihnen "Fremde" (strangers). Sie wären 1620 in der neuen Welt ohne die Unterstützung durch die INDIANER (meint Ureinwohner Amerikas) glatt verhungert, was man am THANKSGIVING erinnert; das hat sie aber nicht gehindert, die Wilden anschließend auszurotten. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die USA sind heute eine multikulturelle Gesellschaft, wie jedes Einwanderungsland seine zuwandernden Kulturen unter Leitkulturen integrierend, dabei kommt es zu interessanten Mischformen. Aber es gibt eben schon hegemoniale Strömungen, solche der Vorherrschaft. Die Macht lebt ja nie nach der Moral, sondern immer von ihr. Entsetzt registriert das westliche Europa wie Tonlagen der WEISSEN ÜBERLEGENHEIT, die man unter Trump täglich auf Twitter hörte, nicht marginal sind ("eine kleine radikale Minderheit"), sondern Milieus ansprechen, die größer zu sein scheinen.

Für RASSISMUS will niemand die Pilgrim Fathers ansprechen oder heutige Christen (obwohl das Thema des Anti-Judaismus einer sorgfältigen historischen Würdigung bedarf), aber die Stimmungslage zur Frage des Abtreibungsrechtes, die jetzt in den USA auch juristisch Oberhand gewinnt, die geht auf ein Denken zurück, das 1620 auf dem Plymouth Rock (MA) gelandet ist. Und da findet mein amerikanischer Freund, aber das hatten wir ja schon.