Logbuch

ARBEIT.

Wer nur in der FREIZEIT Erfüllung findet, hat den Sinn der ARBEIT schon verloren. Man hebt ENTFREMDUNG nicht durch Party-Schneisen auf oder „Urlop“.

Ich lese Verstörendes über Frau Montessori, die Mussolini um den Bart ging. Dabei habe ich die nach ihr benannte Pädagogik immer sehr geschätzt. Anders als die Albernheiten von Herrn Fröbel, dem Erfinder der „Spielgaben“ im „Kindergarten“, nahm die Italienerin die Kleinen als Große. Sie respektierte das kindliche Spielen als ernste Arbeit, die keiner Unterbrechung durch erwachsene Erzieher bedurfte.

Mein Ernst: Montessori-Pädagogik gibt vor, was sie erreichen möchte, die Freiheit der Selbstbestimmung selbst bei jenen, die erst noch nur im Spiel sich selbst bestimmen. Das ist ein anderer Begriff von ARBEIT, den wir aus dem Mittelalter kennen, wo „arebeit“ mehr war als entfremdete Lohnarbeit, wie sie die Industrialisierung mit sich brachte. ENTFREMDUNG bekämpft man nur durch selbstständige Sinngebung. Wichtiger Begriff beim frühen Marx; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Ein Bewerber hat meine Assistentin auf dem Flur nach den Urlaubstagen gefragt und mir gegenüber etwas von der „work-life-balance“ gefaselt; ich habe ihn dem Arbeitsmarkt zurückgegeben.

Logbuch

PAUKER.

Niemand mag Lehrer. Oberstudienrat Fliegenschiss. Pauker sind ein Gespött. Sehr zu Unrecht. Gute Lehrer formen das Leben; sie sind eigentlich zu loben.

Wenn ich mich fair erinnere, so hatte ich einige gute Lehrer, die mich in jungen Jahren auf den Weg gebracht haben. Ich könnte sie bis heute mit Namen nennen. Und Schulen wie Hochschulen, die uns Eleven wachsen ließen. Weil sie uns forderten. Wer lamentieren wollte, musste lesen. Vorher. Lektürevorsprung. Auch die pädagogischen Flops erinnere ich, aber das sei verziehen; wir waren ja auch nur ein ehrgeiziges Mittelmaß. Und frech.

Ich wurde, wie viele, die die erste Generation an Akademikern in ihren Familien waren, auch Pauker. Ich war das gerne, wenn auch nicht lange. Der Ehrgeiz trieb mich weiter. Aber einige der Berufskrankheiten habe ich doch mitgekriegt. Einmal Pauker, immer Pauker. Dazu gehört, dass man die Blender aus der ersten Reihe am Ton erkennt. Jene Geschöpfe, deren Ambition nicht durch Fleiß gestützt wird, sondern mittels Attitüde.

Jetzt gestehe ich es, das ist es, was mich am Bullerbü-Ton der Grünen stört. Haltung statt Kompetenz. Anspruch statt Arbeit. Mehr Schein als Sein. Sätze wie: „Ich komme ja aus dem Völkerrecht.“ Der Ton der Schummel-Julen.

Logbuch

TUPAMAROS.

Man bewege sich in den großen Städten wie ein Indianer. Mittels Pfadfinder umgehe man jene Bezirke, in denen die Zivilisation ausgesetzt ist. So nutzen in bestimmten Stadtteilen bestimmte Milieus bestimmte Termine zu blanker Anarchie. Man will beweisen, dass man unregierbar ist.

Jetzt zu Silvester erlebt die FEUERWEHR, dass man sie in Formen des Guerillakrieges verwickelt. Man habe Einsatzfahrzeuge in Hinterhalte gelockt und zu plündern gesucht. KRANKENWAGEN kennen das schon, dass sie im Einsatz Sabotagehandlungen ausgesetzt sind. Gestern warf ein Delinquent einen Feuerlöscher auf einen NOTARZTWAGEN, der mit Patienten eine Klinik zu erreichen suchte.

Es betrifft also nicht nur die POLIZEI, die zu Neujahr mit Pyrotechnischem beschossen wurde. Die ANARCHIE hat Festcharakter und ist dafür gelegentlich an Anlässe gebunden und immer an Milieus. Weiter geht man nicht in der Benennung des Phänomens, weil man nicht der Fremdenfreundlichkeit bezichtigt werden will. Diese Verweigerung der DENOMINATION ist aber ein Teil des Problems.

Ich bin zu Silvester nicht auf geblieben, so wie ich zu Rosenmontag nicht nach Köln fahre oder auf‘s Oktoberfest gehe oder im Hafen von Palermo eine Rolex kaufe. Aber das ist fehlleitend. Wir haben ein Problem mit Milieus ORGANISIERTER KRIMINALITÄT und ihren anarchistischen Rändern. Das betrifft nicht meine afghanische Schneiderin, meine vietnamesische Blumenfrau oder Migration überhaupt. Das betrifft auch nicht Asylbewerber, die ich laut neuem Benimmbuch der Berliner Polizei so nicht mehr nennen soll.

Wo der Staat seine Beamten ermuntert, sein GEWALTMONOPOL aufzugeben, gibt er sich auf und macht ZIVILISATION zu einem sozialen Privileg. Wer ANARCHIE toleriert, schafft ein Brauchtum, in dem sich Kriminelle als Staat im Staat einrichten. Man zieht sich davor in „gated communities“ zurück. Das ist der falsche Weg, den auch ich gehe.

Logbuch

DER HERR HAUSEN.

Gestern abends zufällig in einem TV-Feature hängengeblieben über die Legende eines Bankers von charismatischen Zügen, und zwar einer Bank ebensolcher Art. Ich habe nichts gegen Heldensagen, zumal wenn es um Märtyrer geht, die im Dienst verzehrt wurden. Salut!

Aber ich bin Zeitzeuge und bleibe immer wieder in meinen Erinnerungen hängen, die mir anderes sagen, zumindest aber den Verdacht bestehen lassen, dass an der Glorifizierung dies und das nicht so ganz passt. Nichts gegen den Herrn Hausen von der Großen Bank, aber…

Auf einer frühen Aufzeichnung sehe ich ihn im Kreise seiner Vorstandskollegen, auch diese in jungen Jahren, manch einer später sein Nachfolger, alle seine Gegner. Ich sehe den rustikalen Pilstrinker und den Pinsel mit der Sektflöte. Ein Haifischbecken, in dem der Herr Hausen ein Sonnyboy von einem westfälischen Stromversorger war, kein geborener JFK. Mir fällt Cäsars Spruch ein: „Auch Du, Brutus!“

Man sieht den Hochgelobten mit Gattin auf historischen Aufnahmen. Waren da nicht auch ambitionierte Damen, die sich selbst des Konkubinats bezichtigten? Mir fallen da Szenen ein und posthum reklamierte Mutterschaften. Aber das ist privat. Nicht privat ist die Zeitzeugenschaft eines amerikanischen Außenpolitikers, der angibt, nie im Konflikt zu Herrn Hausen gestanden zu haben. Da lügt der Bub aus Fürth, der es im Exil so weit gebracht hatte.

Dann die Szenen aus der Londoner City, wo man sich eine Investmentbank mit schottischem Namen kaufte. Hier bin ich endgültig „conflicted“, weil ein persönlicher Freund dort PR-Chef war. Übrigens wunderbare Weihnachtsfeiern. Ich lernte dabei eine junge Dame aus Wolverhampton kennen, mit miserabler Sexualmoral, also sehr unterhaltsam; war echt klasse gewesen! Aber auch privater Natur.

Am meisten verstören mich zum wiederholten Mal die Umstände der Ermordung des fabelhaften Herrn der Bankenwelt. Eine hochkomplexe Bombe, die eine Panzerlimousine sprengen konnte, wurde in strikt überwachtem Wohnumfeld von einer Guerilla studentischen Ursprungs und palästinensischer Unterstützung trotz Vorwarnung unbemerkt montiert und präzise gezündet; bis heute aber keine Täterspuren? Da stimmt was nicht.

Jedenfalls Friede seiner Asche. Salut. Es soll hier abschließend erwähnt werden, dass er ein Junge aus dem Revier war und der Ruhrgas AG aufs Engste verbunden. Ein Mann aus jenem harten Holz, aus dem tatsächlich Helden geschnitzt werden. Jedenfalls daran kann es keinen Zweifel geben.