Logbuch

KASSE MACHEN.

Die gesetzliche Krankenversicherung hat ein Einnahmenproblem, weil sie ein Ausgabenproblem hat. Sie ist inzwischen schweineteuer, aber eben nicht mehr supergut. Es müssen die institutionellen Kostenfresser auf Diät gesetzt werden und die Heilung Sichernden in modernen Stand. Das wird nicht gehen, wenn jeder Nutznießer des alten Systems seine Erbhöfe von der Reform ausgenommen wissen will.

Das Kasse machen mit dem Kasse machen, das muss aufhören. Hört Ihr das bei BIG PHARMA? Ich weiß, dass Ihr auf dem Ohr taub seid. Nützt nicht. Ich weiß, wo Ihr wohnt, respektive Euer Finanzamt. Soweit Ihr Steuern zahlt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Man wird Lobbyismus von Medizin trennen müssen; deren Ethik sagt: „Zumindest nicht schaden!“ Deshalb ist eine hohe Besteuerung von Tabak und Alkohol angezeigt und eine Zuckersteuer schlicht populistischer Grün-Schnack. Ja, man darf die vorsätzliche Gesundheitsschädigung mit Drogen und anderen Giften erschweren. Aber ansonsten entscheide ich selbst, was ich esse. Auch eine Gesundheitsdiktatur ist eine Diktatur.

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VON DEN RECHTEN LERNEN.

Man spricht, obwohl Belge, Deutsch und kann fließend Latein; ich staune über Bart den Weber.

Am Rande einer Delegationsreise von Wirtschaftsvertretern nach Brüssel habe ich Gelegenheit, den Zuschläger des Chefs des Gaststaates der EU kennenzulernen, sprich den Platzhirschen des belgischen Nationalstaates. Das war kreuzspannend; es hat sich gelohnt, einen Termin mit dem stets bemühten Vertreter der Ständigen Vertretung Deutschlands zu schwänzen. Uff, jetzt mal der Reihe nach.

Die StäV ist die deutsche Botschaft bei der EU; schon ein Konstrukt. Belgien ist ein Königreich mit parlamentarischer Demokratie in mindestens drei Sprachen und einer flämischen Dominanz; auch ein Konstrukt. Der Europäischen Rat führen sie aber nur gelegentlich an, die Belgen. Zur Zeit macht das Zypern, das einen türkisch besetzten Raum hat, in dem kein EU-Recht gilt; welch ein Konstrukt. Der belgische Ministerpräsident ist ein rechtspopulistischer Konservativer mit flämischen Wurzeln, politisch ein sehr interessantes Konstrukt, weil es ihn nach der deutschen Regel der Brandmauer gar nicht geben dürfte.

Wir treffen seinen Zuschläger nach der Chatham House Rule, damit darf ich ihn nicht namentlich kenntlich machen und / oder auf Zitate verpflichten. Daran halte ich mich. Man will wiederkommen dürfen. Sein Boss, den wir dann mal spaßeshalber „Bart, den Weber“ nennen, ist ein politisches Phänomen. Ich beginne mit dem ungewöhnlichsten. Bart der Weber weiß sein Wort zu machen. Er spricht fünf Sprachen fließend und hat Witz, Humor, Biss und Selbstironie. In einer Welt der piefigen Potentaten.

Wo liegt er politisch? Nun, in der deutschen Taxonomie liegt er zwischen CDU/CSU und AfD. Nicht bei den flämischen Faschisten, aber auch nicht bei Muttis miefigem Opportunismus. Bart der Weber spielt auf einem Feld, dass es in Deutschland gar nicht gibt. Man wähnt diesen politischen Raum hierzulande leer und simuliert dort eine fiktive Brandmauer. Ein schwarzes Loch, um es astronomisch zu sagen.

Er ist mir schon in Davos mit frechen Sprüchen zu fröhlichen Vasallen und miserablen Sklaven aufgefallen. Interessant, wie Bart der Weber der Beschlagnahme von Geldern der russischen Zentralbank bei belgischen Banken widerstanden hat. Auch interessant, wie er Antwerpen als Kommune führte, als dort noch in der Verantwortung. Und sein Zuschläger weiß begrifflich klar, was sie da machen. Man gehe mit Konstruktivismus an die Konstrukte: Ingenieure der Macht im rechten Lager.

Wenn die AfD das hätte, würde die Alice Kanzlerin und der Friedrich ihr Vize. Nicht wünschenswert, aber möglich. Mein Rat an die Linken: Von den Rechten lernen, heißt Siegen lernen.

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ENERGIEPOLITIK OHNE KLIMA-KLAMAUK.

Man kann auch als Roter oder Schwarzer den Grünen etwas abgewinnen, wenn man auf deren Glaubensrituale verzichtet. Die Wärmepumpe zum Beispiel ist in der Gebäude-Heizung (oder -Kühlung) eine sinnvolle Technik; gescheitert ist sie, weil Patrick Graichen, der Trauzeuge, ein halbseidener Westentaschendiktator ist. Diese Grünen können nicht politisch denken; sie sind etatistische Öko-Vollzugsbeamte. Der Blockwartton hat sie politisch erledigt, nicht die Umwelttechnik.

Warum halte ich die Dekarbonisierung für sinnvoll? Weil wir Öl, Gas und Kohle importieren müssen. Das ist ein geopolitisches Argument. Uns plündern Förderländer und Multis aus. Warum? Weil sie es können. Die Erneuerbaren Energien, selbst wenn die Anlagen in Asien gefertigt, dürfen aber als heimisch gelten; unser Wind, unsere Sonne. Dass beide gratis seien, ist Öko-Unsinn. Siehe oben. In den Markt gedrückt wurden sie mit beachtlichen Subventionen. Aber gut.

Die volatilen Erneuerbaren wären, wenn die Vorgabe der nationalen Regie gilt, am besten durch Kernenergie zu ergänzen. Ich rede von großen Laufwasserreaktoren, nicht von dem Schwachsinn, sich U-Boot-Reaktoren in den Vorgarten zu legen. Urananreicherung haben wir schon in Gronde (NRW) und eine Fertigung von Brennelementen in Lingen (Emsland). Allet chic, außer dass wir die Dinger abgerissen haben. Merkel Mist.

Ja, diese Reaktoren gehören in Staatsbesitz, weil sonst nur schwer zu sichern und zu versichern. Nein, die Entsorgung von Atommüll ist nicht unlösbar. Zudem ist die Menge relativ klein und sehr gut messbar. Aber hier liegt der Hase in Deutschland im Pfeffer. Es wirkt eine fundamentale Paradoxie der Grünen nach. Die historische Anti-Atomwaffen-Bewegung erscheint freilich abgeklungen, wenn es um die Kriegstreiberei bzgl. der Ukraine geht. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die Kernenergie hat in Deutschland wieder eine Zukunft, wenn die Industrie verstaatlicht und auch die Grünen sie wollen. Der französische Weg. Das sollte doch möglich sein. Dann können die in der albernen Straße von Hormus machen, was sie wollen.

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SORTIERKÄSTEN.

Lange bevor es Baumärkte gab, versorgte ein Einzelhandel den Bastler mit Schrauben, Nägeln, Winkeleisen aus einem riesigen Schubladenschrank; an die Schubläden war jeweils außen ein Muster des Inhalts geschraubt. Wenn der Lehrling da fehlsortierte, gab es Ohrlaschen. Es herrschte, für jedermann sichtbar, Ordnung. Man konnte mit dem Finger auf das zeigen, was man wollte.

Ähnliches galt für Apotheken, die monströse Schrankwände hatten; Buchstaben signalisierten hier die Inhalte der Schubläden. Heute holt ein leise surrender Roboter die Medikamente aus seinem Bauch. Das Ordnungsprinzip ist ein anderes, weil sein Gedächtnis enorm ist. Auch hier herrscht Ordnung, aber eine raumoptimierte, die dem Laien zu Recht als Chaos erscheint. Er muss nehmen, was die Maschine ihm nach unerfindlichem Ratschluss gibt.

Wir reden von Sortierkästen, die das Grundprinzip vieler Wissenschaften sind, wenn nicht aller. Man schaue sich die Mühe an, die die Biologie mit der Natur hat oder die Chemie. Die Kernkompetenz ist die der Distinktion; was nichts anderes ist, als die Fähigkeit, die Sortierkästen zu nutzen. In den MINT-Fächern ist das einfacher als in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Weshalb die Minderbegabten meist MINT wählen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

In meiner Jugend wusste man WERBUNG von PR zu unterscheiden. Wir haben die Marketing-Möpse auf dem Gang nicht mal gegrüßt. Und man wusste PRESSE von PROPAGANDA zu trennen. Wir haben sehr darauf geachtet, ob jemand heimlich Staatsknete nahm. Oder Schmiergeld, heute Spenden genannt. Und von wem. Vor allem woher. Immer wissend, dass es solche Schmuddelfiguren gab, die das eine unter dem Deckmantel des anderen trieben; aber das waren die Ausnahmen.

Das ist heute vorbei. Die Publizistik hat die Distinktion aufgegeben; sie läuft nur noch den Geschäften im Internet hinterher und beteiligt sich willfährig an der Begriffsverwirrung, indem sie englische Modewörter zu Begriffen erhebt. Dazu gehört, dass mit Steuern und „pizzo“ verdeckt finanzierte Propagandisten der amtierenden Regierung und ihrer Behörden (Verfassungsschutz inklusive) verstanden werden als gemeinnütziger Journalismus, der sich von der Vierten Gewalt (schon eine Anmaßung) wortwörtlich zum Gemeinwohl aufgeschwungen hat. Danach ist jede Diskussion überflüssig.

Wir stehen nach dem Verlust der Sortierkästen vor dem Roboter der politischen Apotheke und sind bereit, jede Pille zu schlucken, die er aus seinem okkulten Arsenal hervorzaubert.