Logbuch
PLAUDERTASCHEN.
Warum reden wir miteinander? Oder simulieren das an Apparaten? Der weise HABERMAS glaubt, es ginge um den Austausch von Argumenten. Quatsch. Nur in seltenen Ausnahmen.
In hohem Alter hat einer der Päpste der Kommunikationswissenschaften noch mal versucht, seine Theorien aus den 60er, also von vor sechzig Jahren, aufzufrischen und unter den Bedingungen des Internets zu erläutern. Respekt. Wegen des hohen Alters.
Aber ich war nie sein Anhänger und werde es auch nicht mehr. Was er da als DELIBERATIVE DEMOKRATIE setzt, das ist normativ: eine Wunschvorstellung, noch immer und immer mehr. Er hält uns für abwägende Wesen, die ihre Vernunftbegabung nutzen, um im Austausch von Argumente zum gemeinschaftlich Guten zu finden. Das war 1960 „kontrafaktisch“ und wird es immer mehr.
Wir plaudern als kulturelles Handeln mit meist fernem Sinn. Das ist Handeln wie Tanzen, nicht wie ein Oberseminar. Der Mensch, das geschichtenerzählende Tier. Das begreift er nicht, obwohl die Erkenntnis durch die Social Media zur Legion geworden ist. HABERMAS nennt TRUMP, den er für eine Ausnahme hält.
Es gibt sie noch, jene ÖFFENTLICHKEIT, die er zur Regel machen will, als Ausnahme. Die Regel ist PROPAGANDA.
Die Frage ist jetzt nur: Wer sagt es ihm?
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MACHTFRAGEN. KRIEG.
Energiepolitik ist Machtpolitik. Es geht nicht um KOHLENWASSERSTOFF. Es geht darum, wer die Welt beherrscht. Genauer gesagt: einen wie großen Teil davon. FRIEDEN hat zwei Möglichkeiten.
Wer importabhängig und energiehungrig ist, hat geopolitisch zwei Chancen. Die erste liegt darin, das zu mildern. Deshalb sind ERNEUERBARE und EFFIZIENZ eben auch politisch und ökonomisch richtig. Auf jedes Dach Solar, na klar. Für mich ist das der kluge Kern der Energiewende.
Und die Kernenergie ist eine Chance, wenn man sie sicher betreiben kann; sie also Teil eines militärisch-industriellen Komplexes ist. Siehe Frankreich. In einem gefährlichen Sinne ist sie dann eine HEIMISCHE ENERGIE. Wie die KOHLE. Ja, ich weiß.
Die zweite Chance liegt in einer DIVERSIFIZIERUNG der Quellen, wenn man schon importieren muss. Soviel Gas aus Norwegen wie geht. STEINKOHLE aus Australien. Und möglichst geringes Interventionspotential für Transitländer. Direktleitungen machen großen Sinn. Und die Erweiterung der Erdgaslogistik durch Wasserstoff.
Maximale Nutzung der heimischen Energieträger und ein Welthandel ohne Gefahr der Oligopolbildung, jedenfalls ein ausbalanciertes Bezugs-Portfolio. Das ist ein Gedanke, eigentlich zwei. Auf die sofort zehn Einwendungen folgen oder zwanzig. Aber es ist ein Gedanke.
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DER GRÜNE TRAUM.
Da übersetzt jemand den Namen des Traumlandes von Bullerby, die Welt der Pippi Langstrumpf und vom sonstigem Freisinn, mit IDIOTEN KAUFEN EINFACH ALLES. Ein interessante Wendung, weil es mal gegen den VERBRAUCHER geht.
Ein Samstagvormittag bei IKEA verändert ohnehin das Menschenbild. Asia-Schrott und Astrid-Lindgren-Kitsch plus Würstchen vom schwedischen Pölser-Ren mit Zuckersauce. Jetzt bei Twitter ein Protest eines enttäuschten IKEA-Kunden gegen die Glühbirne, die ein Leben lang halten sollte und nach nur vier Jahren schon ersetzt werden muss. Obwohl mit dem neuen Standard namens LED oder so. Wo 100 Watt hell, aber nur 8 Watt Stromverbrauch: der LEBENSTRAUM der ÖKO-Welt von grünen Gnaden.
Schon wahr: Per EU-Dekret wurde auf deutsche Initiative hin die Glühlampe zu 69 Cent verboten und vom der Industrie freudig durch ein birnenförmiges Leuchtmittel zu 12€99, also 1299 Cent, ersetzt. Das rettet den Planeten. Der Stromverbrauch ist ja geringer.
Auch wahr: Der protestierende Pölserfreund gibt auf Twitter an, das Leuchtmittel sei bei ihm auf dem WC im Einsatz gewesen, sprich nur selten „an“, also in häufig wechselnden kurzzeitigen Betrieb. Wie kann es da kaputtgehen? Da staunt der Laie und der Fachmann freut sich. Was die Birnen ruiniert, ist das häufige An- und Ausschalten! Wenn sie ein Lebenlang halten sollen, muss man sie durchbrennen lassen. Tag und Nacht, 24/7. Der Stromverbrauch steigt so zwar insgesamt, aber die Öko-Birnen halten eben dann auch, fast für immer. Genuss ohne Reue.
Finger weg vom Schalter, Walther!
Warum findet ich das typisch?
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SPAZIEREN GEHEN.
Der Mensch muss möglichst oft an der frischen Luft sein, damit er gesunde. Das ist eine Einstellung von Städtern; und zwar zu Gunsten jener aus den nicht ganz so guten Vierteln. Was für Pest und Cholera galt, gilt auch für Corona: beengtes Wohnen fördert die Ansteckung.
Einer ländlichen Bevölkerung, hart arbeitenden Bauern braucht man mit einem idyllischen Naturbegriff nicht zu kommen. Zu bitter ist der tagtägliche Kampf gegen die Natur, um Kohl und Kalb hoch zu bringen. Nur der Winter brachte etwas Ruhe und reichlich Hunger. Im Sommer war man auf den Beinen, solange die Sonne am Himmel stand. In den armen Gegenden, dazu zählte der Westerwald, gab es die Kombination von Bergbau (man ging auf Erze) und Landwirtschaft (im Nebenerwerb), ein doppelt bitteres Los. Es sind die Städter, die vom Osterspaziergang schwärmen. Man ergeht sich. Im 18. Jahrhundert sind dies in Thüringen der verrückte Geheimrat Goethe zu Weimar und sein intimer Freund, der Oberbergrat Alexander von Humboldt.
Der Spaziergang täuscht Interesse an der Natur lediglich vor; in Wirklichkeit nutzt man die Natur vorwiegend als Resonanzkörper. Man ist an der frischen Luft, um seinen Vergnügungen nachzugehen. Obwohl der Goethe-Biograf Stefan Bollmann ganz und gar nicht meiner Meinung ist (oder ich seiner), lässt sich bei ihm ein wunderschönes Zitat stehlen, das uns Recht gibt. Dieser Goethe war, man verzeihe den Ausdruck, ein Lustmolch.
Zu Goethe als Naturforscher gehöre nämlich, erfahren wir: „… der Waldspaziergang genauso wie sich auf eine Wiese zu legen, dem Wind zu lauschen und den Wolken hinterherzuschauen; einen Berg zu besteigen oder nackt in einem abgelegenen See zu schwimmen; auf allen Vieren durch Höhlen zu kriechen oder selbst Blumen und Gemüse zu ziehen, bei Wind und Wetter die Wildheit auch ungezähmter Natur zu erleben.“ (Stefan Bollmann, Der Atem der Welt, Johann Wolfgang Goethe und die Erfahrung der Natur, klett-cotta)