Logbuch
Was man da jetzt aus den USA sieht, das zeigt die Stärke von PROPAGANDA. Sie wirkt über die Sozialen Medien des Internet, nicht mehr über die Presse. CNN zappelt hilflos, die alten Gatekeeper haben es nicht mehr im Griff. Die über TWITTER empörten MASSEN lernen von ihrem Führer, dass man ihnen etwas gestohlen hat, einen erdrutschartigen Wahlsieg ihres Führers; man hat ihnen DAMIT den Staat gestohlen. Volksaufstand. Wir sind das Volk. Putsch! Der Souverän wurde betrogen. Wer war das? Die Antwort muss plausibel sein. Dafür muss man nicht wissen müssen, was ein Repräsentantenhaus ist, wissen, wer da im Capitol haust. Ich sehe über CNN vom Capitol auf der Windschutzscheibe eines Autos ein Schild, das sich auf die Fraktionsvorsitzende der Demokraten bezieht, eine alte Dame, deren Familie aus den Abruzzen zugewandert ist, eine Figur des Establishments mit liberaler Prägung, eine Katholiken im Land der Evangelikalen, eine Studierte und eine Frau... Sie heißt Nancy Pelosi. Und dort steht, Achtung, jetzt kommt das NARRATIV: PELOSI IS SATAN. Das soll alles sagen. Mehr braucht es nicht. So geht Propaganda. Ich krame nach einem Buch von EDWARD BERNAYS, für das ich mal ein Vorwort geschrieben habe. Der Titel lautet: Propaganda - Die Kunst der Public Relations. Stammt aus den 1920er Jahren. Stand im Bücherregal von Joseph Goebbels. Keine unpassenden historischen Vergleiche, na gut, aber Anlass zur Nachdenklichkeit.
Logbuch
Wie kommen die Gebeine der HEILIGEN DREI KÖNIGE in den Kölner Dom? Ich weiß das, weil ich es in einem Buch gelesen hab. Nein, sie sind nicht mehr in Mailand, das ist ein Mythos. Wie kann man sicher aber sein, dass die Knochenreste, die da in Köln verehrt werden, auch authentisch sind? Nun, man muss sich ein wenig historisch interessieren. Dann weiß man, wer zu Zeiten von KÖNIG BARBAROSSA genau dafür gesorgt hat. Dass sie authentisch aussehen, die Reliquien. Baudolino war’s. Das geht ja nicht von selbst; das will schon sorgfältig inszeniert sein. Schließlich werden die MAGIERE als HEILIGE verehrt, die astronomisch erkannt haben, wer da in der Krippe lag. Hier kommt der Piemonteser BAUDOLINO ins Spiel. Ich habe das Buch leider verlegt, werde mir aber gleich über Amazon eine neue Ausgabe besorgen. Amazon ist ja viel weniger als 15 km weit weg und immer auf! Die Rede ist von dem bedeutendsten Roman des berühmten UMBERTO ECO. Nein, nicht diese Schnulze IM NAMEN DER ROSE. Das Buch der Bücher hört auf den Titel BAUDOLINO. Ich würde sagen, dass Baudolino zu den vier oder fünf Büchern gehört, die mich wirklich geprägt haben. Die Lektüre macht Mörderspaß und man ist auch nach mehrmaligem Lesen mit diesem Monster des Wissens nicht fertig. Leider nicht von BARBARA KLEINER übersetzt, der besten Übersetzerin aus dem Italienischen, die ich kenne. Als ich 17 war, war ich von ihr „unsterblich“ fasziniert. Da hieß sie noch Bärbel; aber das ist, wie Kipling sagen würde, eine andere Geschichte.
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MAN SPRICHT DEUTSCH.
Gestern von einem Streit zwischen drei amerikanischen Professoren gelesen, die das deutsche Wort „Beruf“ richtig verstehen wollten. Es ging um Berufspolitiker und POLITIK ALS BERUF, eine Rede von Max Weber, die auch hundert Jahre nachdem sie gehalten wurde, noch für Nachdenken sorgt. Ist „Beruf“ nun ein „job“ oder eine „work“ oder aber eine „vocation“ (Berufung). Ha! Es ging Max Weber um Profession: Wann ist man ein PROFI? Gibt es einen Meisterbrief für geistige Arbeit? Professionalismus. Das verstehen auch nicht alle Amis, da für sie ein Profi umgangssprachlich eine PROFESSIONELLE ist, sprich eine Prostituierte. Das meinte Weber nicht; obwohl... Also Übersetzungsfehler. Eigentlich müsste Jesus anders geheißen haben, da bei Jesaja steht, dass Maria schwanger wird und einen Immanuel gebiert. Im Griechischen als „Emmanuel“. Dort, im Original bei Jesaja, heißt Maria auf Hebräischen „junge Frau“ (meint Heiratswillige); daraus wird in der griechischen Übersetzung irrtümlich JUNGFRAU. Die lateinische Vulgata schreibt den Fehler dann fort. Das passiert auch den allerbesten Übersetzern. Bei Raymond Chandler heißt es in seinem Long Good Bye ( Der lange Abschied), dass das GROSSE VERBRECHEN nicht von Leuten stamme, die Schnapsläden betreiben. Ich reibe mir die Augen. Hä? Mittelstandskritik? Schaue im englischen Original nach. „People that hold up liquor stores“ steht da. Ein HOLD UP ist aber ein „rob by gunpoint“: Hoch die Hände! Es geht um Leute, die Schnapsläden überfallen, sprich Getto-Gangster. Tja. Simpler Vokabelfehler. Das mit den kriminellen Kleingewerbetreibenden und den unbefleckten Jungfrauen und der Berufung, alles Übersetzungsfehler. Woher habe ich das mit den erhobenen Händen auf SPANISCH im Ohr? Arribas los manos, oder so...Wo stand das?
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DER TIEFE TELLER.
Wenn es eine Suppe auszulöffeln gilt, dann nehmen wir den tiefen Teller. Die Suppenschüssel ist natürlich nur ein Code für etwas anderes, das anzudeuten schon des übermenschlichen Mutes bedarf. Wenn nämlich jene, die heimlich die Macht im Staate haben, bemerken, dass sie verraten werden könnten, verabreichen sie Gift. So gibt man dann den Löffel ab. Deshalb sagen wir tiefer Teller, wenn wir das „imperium in imperio“ meinen. Muss aber unter uns, sprich geheim, bleiben.
Was soll der Quatsch? Nun, ich raune vom TIEFEN STAAT, möchte dabei aber nicht von ihm erwischt werden; also tarne ich mich vor der Weltverschwörung, indem ich über Porzellan rede, aber die Weltherrschaft meine. Grandioser Trick. Wer das jetzt krude findet, der ist noch nicht in die Welt der Verschwörungstheoretiker eingetaucht; er ist halt nur ein flacher Teller, eine Untertasse.
Ob ich was geraucht habe? Nicht am frühen Morgen. Anlass der Albernheit des tiefen Tellers ist eine Leserreaktion auf meine Bemerkung, dass ich ein gelernter Linker sei, der sich im zunehmenden Erkenntnisekel befinde. Man sagt mir noch weitere Desillusionierungen mit dem tiefen Staat voraus. Da ist er wieder der Topos der okkulten Verschwörung. Man wird gewarnt, wie einst die Katholische Kirche ihre Delinquenten vor dem Teufel.
Neu ist der Zauber nicht. Man sah die Illuminaten herrschen, sprich Freimaurer. Die sollen ihre Enttarner vergiftet haben. Oder Opus Dei. Das Judentum allzumal. Oder den militärisch-industriellen Komplex. Oder die Päderasten. Oder die Jungtürken. You name it. Die Angst vor dem tiefen Teller (zwinker, zwinker) ist eine Riesendummheit, die auf eine veritable Erkenntnis folgt. Beginnen wir mit dieser.
Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Eine bittere, aber sehr wesentliche Erkenntnis. Die Menschen sind zu ganz kolossalem Irrglauben in der Lage. Die Dinge können komplexer sein, als der Alltagsverstand vermutet, aber eben auch schlicht zufälliger Natur; kontingent. Deshalb ist die Fragestellung Kants so lehrreich, der fragt: „Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen?“
Wer mit der Kontingenz nicht leben kann oder will, weil er was vorhat, der lege den Propagandaklassiker der Verschwörung auf und male die Verschwörer so, dass man sie am liebsten gleich lynchen möchte. Um das Irre dieses gewollten Irrsinns vor Zweifel zu schützen, gebe man Realitätsmarker hinzu. Oder Histörchen, Kunde aus den guten alten Zeiten.
So ich gehe jetzt frühstücken. Porridge, sprich Haferschleim und zwar aus tiefen Tellern (zwinker, zwinker).